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Penicilin und Kuckucksuhren. Filme nach 1945 erzählen vom Weiterleben nach Kriegsende. – Von Heike Klapdor. rbb Kulturtermin 7. 5. 2015

Filmproduktionen nach 1945 schreiben Mentalitätsgeschichte. Sie vermessen die Topographie einer äußeren und inneren Trümmerlandschaft. Sie registrieren die moralische und politische Desorientierung, erzählen von Gefühl und Geschäft, von Lügen und Leben, von Not, Kälte und Distanz, von Überlebenswillen und Scheitern. Die Regisseure sind Beobachter und Interpreten, zynisch wie Carol Reed (The Third Man / Der Dritte Mann), ironisch wie Billy Wilder (A Foreign Affair / Eine Auswärtige Angelegenheit) pessimistisch wie Roberto Rossellini (Germania, Anno Zero / Deutschland im Jahre Null) und Peter Lorre (Der Verlorene), optimistisch wie Leopold Lindtberg (Die Vier im Jeep) und Hans Thimig (Gottes Engel sind überall).


Mephisto und der Tanz auf dem Vulkan – das Kunst-Duell von Klaus Mann und Gustaf Gründgens. Eine Recherche von Heike Klapdor. Kulturtermin des rbb vom 22. 12. 2012.

Eine Recherche von Heike Klapdor.
Kulturtermin des rbb vom 22. 12. 2012

1936 veröffentlicht Klaus Mann im Exil den Roman Mephisto – Roman einer Karriere. Er will seine Hauptfigur, den opportunistischen NS-Theaterstar Hendrik Höffgen, als symbolischen Typus verstanden wissen. Doch sofort erkennen Leser und Kritiker darin Gustaf Gründgens, den einstigen Freund und Schwager von Klaus Mann.

1938 spielt Gründgens in dem Revue-Film Tanz auf dem Vulkan einen charismatischen Schauspieler, der im Paris des frühen 19. Jahrhunderts gegen König und Staatsmacht rebelliert.

Die Autorin der Sendung interpretiert den Theater-Film als Antwort auf den Theater-Roman.


Rausch, Höllengelächter, Totentanz - Filmerzählungen von Irène Némirovsky. Eine Sendung zum 70. Todestages der Schriftstellerin – von Heike Klapdor und Wolfgang Jacobsen. Kulturtermin des rbb vom 16. 08. 2012

Eine Sendung zum 70. Todestages der Schriftstellerin – von Heike Klapdor und Wolfgang Jacobsen.
Kulturtermin des rbb vom 16. 08. 2012

Der Erfolg des 2004 aus dem Nachlass erschienenen Romans Suite francaise rückte mit einem Schlag Werk und Leben von Irène Némirovsky, einer der erfolgreichsten Schriftstellerinnen Frankreichs in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts, wieder ins Bewusstsein der literarischen Öffentlichkeit. Ihre zum Teil verfilmten Romane oder auch direkt für das Kino geschriebenen Texte erzählen realistisch, elegant und filmisch vom gesellschaftlichen Aufstieg des jüdischen Bürgertums, vom französischen Antisemitismus, von der nationalsozialistischen Okkupation 1940 und der Flucht vor den deutschen Besatzern.

Eine Revue anlässlich des 70. Todestages der Schriftstellerin Irène Némirovsky von Heike Klapdor und Wolfgang Jacobsen.


Das kalte Herz. Fritz Langs Film Metropolis und Georg Kaisers Gas-Drama.
Ein ikonographischer, kulturphilosophischer und literarischer Vergleich von Heike Klapdor.

Feature von Heike Klapdor. rbb – Kulturradio. Kulturtermin, 25’, 4. Februar 2010.

„Kalt und dekorativ“ sei das, „wuchtend leer“. Was sich mühelos als zeitgenössische Kritik des Films Metropolis verstehen ließe, gilt Georg Kaisers Revolutionsstück Gas I, das nach seiner Uraufführung 1918 zu einem der meist gespielten Stücke im deutschsprachigen Theater wurde. Fritz Langs monumentale Zukunftsvision nach dem Drehbuch von Thea von Harbou, die knapp ein Jahrzehnt später in die Kinos der Weimarer Republik kam, enthält  eine Vielzahl von Bezügen zu dem dramatischen Werk des expressionistischen Dichters. Daran erinnert Heike Klapdor aus Anlass der Präsentation der rekonstruierten Fassung von Metropolis bei der Berlinale 2010.


Die schönen Tage von Aranjuez. Fluchtwege durch Frankreich und Spanien nach 1933. Kulturtermin des rbb vom 06. 11. 2011.

Fluchtwege durch Frankreich und Spanien nach 1933. Kulturtermin des rbb vom 06. 11. 2011

Die schönen Tage von Aranjuez. Unter diesem Titel kommt 1933 ein UFA-Film in die deutschen Kinos, der den Weg der Emigranten vorwegnimmt, die 1940 nach der deutschen Okkupation Belgiens, Hollands und der französischen Hauptstadt durch Frankreich und Spanien fliehen.

Wer ein Verbrecher ist, flieht. Die Kriminalkomödie erzählt die Geschichte eines Juwelenraubs. Doch der Film, der die Flucht des Gaunerpärchens durch Frankreich und Spanien inszeniert, hat einen Subtext. Er hält schon 1933 ein Deutungsmuster parat für die Flucht derjenigen, die nach der nationalsozialistischen Machtergreifung aus politischen Gründen und unter unmenschlichen Bedingungen Europa verlassen müssen: Wer flieht, ist ein Verbrecher.

Die Autorin folgt den Routen von Fiktion und Wirklichkeit in Film und Literatur.


Fritz Langs Film M und die Kriminalistik der Weimarer Republik. Feature (30 Minuten), SFB III. Kulturtermin, erster Sendetermin: 5. Februar 2005.

Fritz Langs Weimarer Filme sind alle, wie es der Untertitel zu Dr. Mabuse nennt, „ein Bild der Zeit“.

Seinen Film M - eine Stadt sucht einen Mörder von 1931 nannte Fritz Lang einen „Tatsachenbericht“, und tatsächlich lässt sich der Film als historische Quelle lesen:  Fritz Lang inszeniert vor dem Hintergrund spektakulärer Mordprozesse und unter den Vorzeichen gesellschaftlicher Verunsicherungen die Jagd auf einen Triebtäter. Als Jäger konkurrieren die Kriminalpolizei und die sich selbst ermächtigenden Kriminellen. M wie ‚Modell’?


„Wo bleibt der zweite Schuss?“ Eine Liebelei. Max Ophüls zum 100. Geburtstag. Feature, zusammen mit Wolfgang Jacobsen (30 Minuten), SFB III. Kulturtermin, erster Sendetermin: 6. Mai 2002.

Der zweite Schuss fällt nicht. Der ihn hätte abgeben können, der fesche Leutnant, ist auf dem vereisten Schneefeld zweifelhafter Ehre gefallen. Die Kapellmeisterstochter, die ihn liebte und er sie, wird es ihm nachtun. 1933 kommt Max Ophüls todtrauriger, klangseliger Film nach Arthur Schnitzlers Bühnenstück Liebelei ins Kino. Der todtraurige Regisseur ist schon auf dem Weg ins Exil.


„Wollen Sie lachen?“ Szöke Szakall — Equilibrist des Komischen. Ein Filmemigrantenschicksal zwischen Berliner Varieté und Hollywood. Feature, zusammen mit Wolfgang Jacobsen (30 Minuten), SFB III. Kulturtermin, erster Sendetermin: 29. November 2001.

Feature, zusammen mit Wolfgang Jacobsen (30’), SFB III. Kulturtermin, 29. November 2001.

Wer will das nicht? Ein österreichischer Ungar legt sein ganzes Gewicht, sein eminent körperliches und geistblitzendes, auf die Bühnen der Varietés in Wien und Berlin, um sein Publikum zu unterhalten. Als der Film komische Talente braucht, ist Szöke Szakall gefragt. Als der Ungar mit dem unaussprechlichen Namen sicherheitshalber nach Amerika auswandern muss, nennen sie ihn in Hollywood der Einfachheit halber „Cuddles“.


Merhameh. Karl Mays schöne Spionin. Feature, zusammen mit Wolfgang Jacobsen (30 Minuten), SFB III. Kulturtermin, erster Sendetermin: 26. März 1997.

Feature, zusammen mit Wolfgang Jacobsen (30’), SFB III. Kulturtermin, 26. März 1997.

Ein 13jähriger Backfisch schickt 1903 ein Gedicht, die Phantasie am Grabe Winnetous an den 60 Jahre alten weißen Mann in Dresden. Das Mädchen hat alle Winnetou-Bände verschlungen. Es wird Karl Mays orientalische Muse. Nach seinem Tod sorgt die Roman- und Drehbuchautorin Marie Luise Droop mit dem Karl May-Forscher Adolf Droop und dem türkischen RegisseurErtugrul Mousshin-Beyund der Ustad-Film für die ersten Karl May-Verfilmungen. 1920 tummeln sich auf dem Filmgelände in Berlin Araberhengste aus dem Tattersall und kleine Löwen, die die Damen mit Schokolade füttern.


Die Philosophie der Leinwand. Berlin, Nabokov und das Kino. Eine Sendung in drei Sätzen. Feature, zusammen mit Wolfgang Jacobsen (30 Minuten), SFB III. Kulturtermin, erster Sendetermin: 11. September 1995.

Feature, zusammen mit Wolfgang Jacobsen (30’), SFB III. Kulturtermin, 11. September 1995.

Als Vladimir Nabokov in den zwanziger Jahren in Berlin lebt, ist der junge russische Adelige ein armer Journalist und Dichter, der Tennisstunden gibt und für zehn Mark pro Tag als Filmkomparse in Babelsberg steht. Die Schattenwesen der Leinwand werden zu durchsichtigen Dingen seiner Berliner Romane, zu obskuren Räumen von Täuschung und Verbrechen.


Hundert Jahre Film. Bilder einer Ausstellung. Feature, zusammen mit Wolfgang Jacobsen (30 Minuten), SFB III. Kulturtermin, erster Sendetermin: 5. April 1995.


Anna Seghers im Exil. Feature (30 Minuten), SFB III. Kulturtermin, erster Sendetermin: 1. Juni 1988.


Von der Leidenschaft des Sprechens und der Kunst des Lebens. Ein Porträt des Vortragskünstlers Otto Wahrlich. Feature (30 Minuten), SFB III. Kulturtermin, erster Sendetermin: 29. Februar 1988.

Feature von Heike Klapdor. SFB III. Kulturtermin. Berliner Profile, 30’, 29. Februar 1988.

Otto Wahrlich fegtein den zwanziger Jahren das bedeutungsschwere Deklamieren und das Pathos von Jahrhundertwende und Expressionismus von den Berliner Bühnen und lehrte nach dem Zweiten Weltkrieg die Kunst des natürlichen Sprechens an der Hochschule der Künste.