Gehirn ist ein Irrweg. Benn, Rönne und das Kino

Eine Sendung aus Anlass des 60. Todestages von Gottfried Benn

Von Heike Klapdor

rbb Kulturtermin am 7. 7. 2016

Vor 60 Jahren, am 7. Juli 1956, starb der Dichter Gottfried Benn. 40 Jahre zuvor, 1916, erschienen seine so genannten Rönne-Erzählungen unter dem Titel Gehirne. Benn schrieb sie in Brüssel, wo der Militärarzt während des Ersten Weltkriegs stationiert war. Die Rönne-Erzählungen sind eine noch immer wenigen bekannte literarische Studie über das moderne Ich. Das Kino als das zeitgenössische Medium schlechthin spielt darin eine staunenswerte Rolle.

Penicilin und Kuckucksuhren

Penicilin und Kuckucksuhren. Filme nach 1945 erzählen vom Weiterleben nach Kriegsende. – Von Heike Klapdor. rbb Kulturtermin 7. 5. 2015

Filmproduktionen nach 1945 schreiben Mentalitätsgeschichte. Sie vermessen die Topographie einer äußeren und inneren Trümmerlandschaft. Sie registrieren die moralische und politische Desorientierung, erzählen von Gefühl und Geschäft, von Lügen und Leben, von Not, Kälte und Distanz, von Überlebenswillen und Scheitern. Die Regisseure sind Beobachter und Interpreten, zynisch wie Carol Reed (The Third Man / Der Dritte Mann), ironisch wie Billy Wilder (A Foreign Affair / Eine Auswärtige Angelegenheit) pessimistisch wie Roberto Rossellini (Germania, Anno Zero / Deutschland im Jahre Null) und Peter Lorre (Der Verlorene), optimistisch wie Leopold Lindtberg (Die Vier im Jeep) und Hans Thimig (Gottes Engel sind überall).

Anna Gmeyner: Manja. Ein Roman um fünf Kinder.

Mit einem Nachwort von Heike Klapdor
Berlin: Aufbau Verlag 2014

Einer der eindrucksvollsten Romane der Dreissiger Jahre
Klaus Harpprecht

[Gmeyner] gelingen [...] Seelengemälde von geradezu Rilkescher Intensität.
Hannelore Schlaffer, Neue Zürcher Zeitung

Die Romanfiguren sind Symbolträger gesellschaftspolitischer Verhältnisse und Einstellungen, zugleich ist jede Figur als Individuum gezeichnet. Dieses Spannungsverhältnis macht den Reiz und auch die Qualität dieses Romans aus.
Andreas Trojan, Bayerischer Rundfunk, Bayern 2

[Der Roman] entwirft ein Sozialpanorama, erzählt eine anrührende Geschichte, spielt mit Elementen der literarischen Moderne. [...] Es ist ein Klassiker der Exilliteratur.
Sabine Rohlfs, Berliner Zeitung

[...] ein Protokoll der 20er Jahre, ein - auch wenn es ein Widerspruch ist - poetisches Protokoll der beginnenden Hitlerzeit. Anna Gmeyners kreative Sprache, die den Leser wie auf einer Welle trägt und plötzlich in einen Strudel reißt, ist [...] von einer beklemmenden Vorahnung.
Inge Obermeyer, Nürnberger Zeitung

Manja ist eines der ganz großen Werke der Exilliteratur, die es neu zu entdecken gilt.
Sharon Adler, Aviva Berlin

Große Exil-Literatur
Siegener Zeitung

„Manja“ ist eine ebenso packende wie berührende Schilderung der deutschen Gesellschaft am Vorabend des Dritten Reiches [...]. Gmeyner zeigt die Fliehkräfte und Bedrohungen, aber auch den universellen Wert von Freundschaft. Ein Buch, das auch heute nichts von seiner Frische verloren hat.
Recklinghäuser Zeitung

[...] eindringlich, mit feiner Beobachtung und dem literarischen Vermögen, atmosphärisch dichte Situationen zu beschreiben.
Sylvia Treudl, Buchkultur

Die fünf Kinder wären die Zukunft gewesen.
Kurier

[E]iner der eindrucksvollsten Romane der dreißiger Jahre.
RBB Inforadio

Neuauflage eines der bedeutendsten Romane deutscher Exilliteratur.
Tagesspiegel

Poetisch und berührend [...]
tip Berlin

 

In der Ferne das Glück. Geschichten für Hollywood.

Von Vicki Baum, Ralph Benatzky, Fritz Kortner, Joseph Roth sowie Heinrich Mann und Klaus Mann u. a. Herausgegeben von Wolfgang Jacobsen und Heike Klapdor. Berlin: Aufbau Verlag 2013.

Ein Sensationsfund – Erzählungen über Verrat, Schuld und Sühne, die Suche nach Liebe, Flucht und Rettung

Wer vor den Nazis floh, stand im Exil zumeist vor dem Nichts. Vor allem für Schrift-steller war der Verlust ihrer Sprache ein Desaster. Populäre Autoren wie Vicki Baum, Heinrich und Klaus Mann oder Joseph Roth entwarfen Stoffe für das große Kino, versierte Regisseure, Drehbuchschreiber und Produzenten wie Fritz Kortner, Luis Trenker und Willi Wolff bemühten sich um Verträge mit den Hollywood-Studios, und erfolgreiche Komponisten wie Ralph Benatzky schlugen sich mit Auftragsarbeiten durch. Der berühmte, in Hollywood erfolgreiche Agent Paul Kohner half ihnen dabei. Aus seinem Nachlass stammen die hier erstmals publizierten Filmerzählungen. Sie verknüpfen individuelle Konflikte und zeitgeschichtliche Katastrophen mit klassischen Genre-motiven: Träume von Liebe und Glück, der Kampf ums Überleben, heroische Abenteuer werden in tragische, komische, satirische, anrührende, mitunter auch triviale Geschichten, Agenten- und Crimestorys gefasst.

Sorgfältig ediert und kommentiert von Wolfgang Jacobsen und Heike Klapdor, vermitteln sie Lese- und Entdeckungsfreude, dazu noch einen ungewöhnlichen Einblick in Emigrantenschicksale und das Business der Traumfabrik Hollywood.

Verfügbar ab 21.Januar 2013.

+ Weitere Informationen unter www.aufbau-verlag.de.

+ Die Kritik der Frankfurter Allgemeine Zeitung.

+ Fluchtpunkt Hollywood – Kritik der Zeitung Die Welt.

+ Kritik von Deutschlandradio Kultur.

+ Interview bei WDR3 Gutenbergs Welt: "Kinoträume" mit Manuela Reichart, Sendung vom 17.02.2013. Unter anderem mit Ausschnitten der Lesung von Bibiana Beglau. Das Interview mit Heike Klapdor finden Sie hier:

+ Kritik der Berliner Zeitung: Was Hollywood uns ersparte. Vom Dichter zum Dienstleister -- Drehbuchideen im Archiv der Kinemathek. Von Sabine Vogel, Berliner Zeitung, Nr. 28, 2./3. Februar 2013.

+ Kritik bei NDR1 von Margarete von Schwarzkopf in der Bücherwelt vom 5. Februar 2013: „Der Band In der Ferne das Glück mit bisher unveröffentlichten Erzählungen ist ein eindrucksvolles und ergreifendes Dokument zum Thema Emigration und zugleich ein wichtiges Kapitel deutscher Literaturgeschichte. Das Buch ist aucheine Reflektion über das Thema der Bedeutung des magischen OrtesHollywood, in dem Billy Wilder, Fritz Lang, Peter Lorre und andere Künstler eine neue künstlerische Heimat gefunden haben, während andere vor der Tür des Paradieses bleiben mussten.“ Die Sendung als Podcast auf der Internetseite des NDR.

Kulturradio am Nachmittag des rbb Kulturradio vom 28. Januar 2013: Frank Rawel im Gespräch mit der Filmhistorikerin Heike Klapdor, die – gemeinsam mit Wolfgang Jacobsen – das Buch "In der Ferne das Glück" (Aufbau Verlag) mit Filmerzählungen aus dem Exil herausgegeben hat.

+ Kritik des Wiener Falter.

+ Kritik von Volker Baer in Filmdienst 6/2013: „Sie wurden ihrer Sprache beraubt. – Eine neues Buch versammelt Dokumente und Briefe zum amerikanischen Exil. In ihrer Heimat meist anerkannte Autoren, hat man hat sie ihrer Sprache beraubt, nach 1933 in Deutschland verfolgt und verjagt. Nun kamen sie in eine fremde Welt, ohne Auftraggeber, Verlage und Leser. Und doch mussten sie ihrer Selbstbehauptung wegen schreiben. Gerade das Schreiben war die Bedingung für ihr (Über-)Leben. Einer, der ihnen zur Seite stand, war der deutsch-amerikanische Filmagent Paul Kohner, dessen Archiv ein Nachlass von unschätzbarem historischem Wert ist. Die Deutsche Kinemathek in Berlin erwarb ihn 1988. Wolfgang Jacobsen und Heike Klapdor haben die Bestände nach Drehbüchern durchsucht und bieten nun einen tiefen Einblick in die Arbeit der Autoren. 25 Texte haben sie von 27 Schriftstellern ausgewählt. Nur wenige von ihnen (Fritz Kortner, Leo Mittler, Klaus Mann, Luis Trenker) kehrten nach 1945 nach Europa zurück, viele blieben in den USA. Sie dachten und fühlten meist noch europäisch, und wenn sie sich auf US-Kinobesucher einstellten, wirkten ihre Texte oft unsicher, gar epigonenhaft. Die neue Welt war ihnen in ihren Skizzen, Entwürfen oder Kurzgeschichten noch nicht vertraut. Manche blickten zurück auf die alte Heimat (Joseph Roth, Leo Mittler), andere machten den Ersten Weltkrieg zum Thema, andere die Judenverfolgung in der NS-Diktatur oder die europäische Einigung (Klaus Mann). Auch Komödien-Entwürfen begegnet man. Da gibt es Boxer und Betrüger, Verwechslungsspiele, Grotesken (Reinhold Schünzel), einen Stummfilm mit gesungenen Texten (Ralph Benatzky). Amerikanischer Alltag spiegelt sich in Geschichten von Warenhaus und Casino (Vicki Baum). Metaphysisches bietet eine Fabel von Engeln, die zu Fliegern und wieder zu Engeln werden (Luis Trenker). Zu jedem Autor werden umfangreich Vita und Werk notiert; Hinweise stellen Querverbindungen zu anderen literarischen Arbeiten oder Filmen dar – eine immense Arbeit. Manche Skizze mag naiv oder plakativ wirken, man muss sie aber mit dem Blick auf die Bedingungen lesen, unter denen sie entstanden. Und auf die Zeit.“

+ Kritik der Deutschen Welle.

+ Buch-Bestellung bei amazon.de.

In der Ferne das Glück. Geschichten für Hollywood.

Beitrag zum neuen Buch von Heike Klapdor und Wolfgang Jacobsen (Hg.) im Kulturmagazin Stilbruch des rbb
am 10. Januar 2012

Beginn der Sendung um 22.15 – im dritten Programm des rbb.

Informationen unter: www.rbb-online.de.

Auf mehr als 500 Seiten versammelt der Band "In der Ferne das Glück" bisher unveröffentlichte Erzählungen von Vicki Baum, Joseph Roth sowie Heinrich und Klaus Mann und gewährt einen Einblick in ihre Emigrantenschicksale.

In der Ferne das Glück. Geschichten für Hollywood.

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Lesung – Wolfgang Jacobsen und Dr. Heike Klapdor stellen vor.

29.01.2013, Beginn: 19:00 in der Mendelssohn-Remise, Jägerstr. 51, 10117 Berlin

Die Ferne – das ist Amerika, ein Glück wäre es, dort nicht nur anzukommen, sondern auch, sich auf die eigenen Beine stellen zu können. Die nach Amerika geflüchteten Autoren der 30er Jahre haben "Geschichten für Hollywood" geschrieben, Erzählungen, von denen sie hofften, die amerikanische Filmindustrie, jenes "Reich der belebten Schatten und fabelhaften Gagen",  würde sich dafür interessieren. Der Band "In der Ferne das Glück. Geschichten für Hollywood" versammelt eine Auswahl solcher – allesamt unrealisiert gebliebenen – Geschich-ten: AntiNazi Stories, Stories für den film noir, Komödien mit Musik, Stories im Boxermilieu und in der Welt der Warenhausangestellten über Aufstieg und Fall der amerikanischen Mittelklasse…

Es liest Bibiana Beglau.
Einführung: Franziska Günther (Lektorin).

Eintritt: € 5,-
Karten: Tel: 030-81 70 47 26 oder reservierung@mendelssohn-remise.de

Eine Veranstaltung in Kooperation mit der Stiftung Deutsche Kinemathek und der Mendelssohn-Gesellschaft e.V.

+ Die Einladung zur Lesung als PDF.

+ Weitere Informationen unter mendelssohn-remise.de.

Rausch, Höllengelächter, Totentanz - Filmerzählungen von Irène Némirovsky.

Eine Sendung zum 70. Todestages der Schriftstellerin – von Heike Klapdor und Wolfgang Jacobsen.
Kulturtermin des rbb vom 16. 08. 2012

Der Erfolg des 2004 aus dem Nachlass erschienenen Romans Suite francaise rückte mit einem Schlag Werk und Leben von Irène Némirovsky, einer der erfolgreichsten Schriftstellerinnen Frankreichs in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts, wieder ins Bewusstsein der literarischen Öffentlichkeit. Ihre zum Teil verfilmten Romane oder auch direkt für das Kino geschriebenen Texte erzählen realistisch, elegant und filmisch vom gesellschaftlichen Aufstieg des jüdischen Bürgertums, vom französischen Antisemitismus, von der nationalsozialistischen Okkupation 1940 und der Flucht vor den deutschen Besatzern.

Eine Revue anlässlich des 70. Todestages der Schriftstellerin Irène Némirovsky von Heike Klapdor und Wolfgang Jacobsen.

+ Weitere Informationen unter www.kulturradio.de.

Mephisto und der Tanz auf dem Vulkan – das Kunst-Duell von Klaus Mann und Gustaf Gründgens.

Eine Recherche von Heike Klapdor.
Kulturtermin des rbb vom 22. 12. 2012

1936 veröffentlicht Klaus Mann im Exil den Roman Mephisto – Roman einer Karriere. Er will seine Hauptfigur, den opportunistischen NS-Theaterstar Hendrik Höffgen, als symbolischen Typus verstanden wissen. Doch sofort erkennen Leser und Kritiker darin Gustaf Gründgens, den einstigen Freund und Schwager von Klaus Mann.

1938 spielt Gründgens in dem Revue-Film Tanz auf dem Vulkan einen charismatischen Schauspieler, der im Paris des frühen 19. Jahrhunderts gegen König und Staatsmacht rebelliert.

Die Autorin der Sendung interpretiert den Theater-Film als Antwort auf den Theater-Roman.

+ Weitere Informationen unter www.kulturradio.de.

Heike Klapdor: Das kalte Herz. Georg Kaisers Gas-Drama (1918) und Fritz Langs Film Metropolis (1927).

In: Kunst und Leben. Georg Kaiser (1878 - 1945). Herausgegeben von Sabine Wolf im Auftrag der Akademie der Künste. Akademiefenster 8. Berlin 2011.

Leben und Werk des bedeutenden expressionistischen Dramatikers werden mit Abbildungen und zeitgenössischen Texten aus dem Georg-Kaiser-Archiv der Akademie der Künste, ergänzt durch Dokumente aus Nachlässen von Regisseuren, Komponisten, Bühnenbildnern, Schauspielern und Kritikern, dargestellt.

Die Publikation dokumentiert die wichtigsten Lebensstationen und Werke des meistgespielten Autors auf deutschsprachigen Bühnen zwischen dem 1. und 2. Weltkrieg, einer schillernden Persönlichkeit mit einem bewegten Leben. Schon als Schüler schrieb er erste Dramen, brach die Schule ab, ging für drei Jahre nach Argentinien. Obwohl er in eine reiche Kaufmannsfamilie einheiratete, brachte er das Vermögen seiner Frau in kürzester Zeit durch, wurde 1920 wegen Unterschlagung verhaftet und mußte sechs Monate im Gefängnis verbüßen.

Kaiser verfasste mehr als 70 Dramen, von denen einige verfilmt wurden. Zu seinen wichtigsten Stücken zählen das Drama Die Bürger von Calais, das Kaiser 1917 über Nacht berühmt machte, Von morgens bis mitternachts und die Trilogie Gas.

1926 wurde Georg Kaiser zum Mitglied der Sektion für Dichtkunst der Preußischen Akademie der Künste gewählt. Mit der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten 1933 geriet er ins Abseits, seine Bücher wurden nicht mehr vertrieben, die Stücke nicht mehr gespielt. 1938 verließ Kaiser sein Refugium in Grünheide bei Berlin und ging ins Exil in die Schweiz. Auch dort waren seine Wirkungsmöglichkeiten begrenzt, Freunde unterstützten ihn. Am 4. Juni 1945 starb Kaiser verarmt in Ascona.

Zwei Originalbeiträge ergänzen die biographisch-werkchronologische Darstellung: Heike Klapdor untersucht in ihrem Text den Zusammenhang zwischen Georg Kaisers Gas-Dramen und Fritz Langs Film Metropolis. Frank Krause geht anhand von Aufführungsstatistiken der öffentlichen Wirkung Georg Kaisers nach.

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Die schönen Tage von Aranjuez.

Fluchtwege durch Frankreich und Spanien nach 1933. Kulturtermin des rbb vom 06. 11. 2011

Die schönen Tage von Aranjuez. Unter diesem Titel kommt 1933 ein UFA-Film in die deutschen Kinos, der den Weg der Emigranten vorwegnimmt, die 1940 nach der deutschen Okkupation Belgiens, Hollands und der französischen Hauptstadt durch Frankreich und Spanien fliehen.

Wer ein Verbrecher ist, flieht. Die Kriminalkomödie erzählt die Geschichte eines Juwelenraubs. Doch der Film, der die Flucht des Gaunerpärchens durch Frankreich und Spanien inszeniert, hat einen Subtext. Er hält schon 1933 ein Deutungsmuster parat für die Flucht derjenigen, die nach der nationalsozialistischen Machtergreifung aus politischen Gründen und unter unmenschlichen Bedingungen Europa verlassen müssen: Wer flieht, ist ein Verbrecher.

Die Autorin folgt den Routen von Fiktion und Wirklichkeit in Film und Literatur.

+ Weitere Informationen unter www.kulturradio.de.

Heike Klapdor: Anna Gmeyner. Die Dramaturgie der Krise.

In: Margrid Bircken, Marianne Lüdecke, Helmut Peitsch (Hrsg.): Brüche und Umbrüche. Frauen, Literatur und soziale Bewegungen. Universitätsverlag Potsdam 2010

"Leben und Schreiben in Umbrüchen" – unter diesem Titel bot eine Ringvorlesung am Institut für Germanistik der Universität Potsdam 2005/06 einen Überblick über historische Veränderungen der Bedingungen, unter denen Frauen geschrieben haben. "C'est la crise" – Leben und Schreiben in den Umbrüchen des 20. Jahrhunderts bestimmten Biographie und Werk der österreichischen Bühnen-, Roman- und Filmautorin Anna Gmeyner (1902-1991), die aus Berlin, wohin die Wienerin Mitte der zwanziger Jahre gegangen war, nach Paris flüchtete und nach England emigrierte und die die Krisenerfahrung zur Dramaturgie des Schreibens machte.

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Anna Gmeyner: Manja. Ein Roman um fünf Kinder • Eine Hommage.

Vortrag und Lesung mit Iris Berben und Heike Klapdor.
Freitag, 19. Februar 2010, 20 Uhr • Mendelssohn-Remise

Anna Gmeyner, 1902 in Wien geboren, 1991 in York gestorben, gehörte um 1930 zur literarischen Avantgarde in Deutschland. Das Exil führte sie über Paris nach England. Sie schrieb Filmdrehbücher und Romane. Manja erschien 1938 unter dem Pseudonym Anna Reiner bei Querido in Amsterdam, 1984 zum ersten Mal in Deutschland beim persona verlag.

Der Roman spielt zwischen 1920 und 1934. Manja und ihre Freunde Karl, Heini, Franz und Harry entstammen verschiedenen gesellschaftlichen Milieus. Ihre Freundschaft wird 1933 auf eine harte Probe gestellt. Manja und Harry sind plötzlich nicht mehr »rasserein«, und die Probleme der Erwachsenen, die sich für oder gegen Hitler entscheiden, drohen die Welt der Kinder zu zerstören.

Iris Berben liest aus dem Roman.
Heike Klapdor porträtiert die Autorin.

+ Weitere Informationen unter www.mendelssohn-remise.de.
+ Weitere Informationen unter www.deutsche-kinemathek.de.
Info-PDF zur Veranstaltung.

Das kalte Herz. Fritz Langs Film Metropolis und Georg Kaisers Gas-Drama.

Ein ikonographischer, kulturphilosophischer und literarischer Vergleich von Heike Klapdor.

“Kalt und dekorativ“ sei das, „wuchtend leer“. Was sich mühelos als zeitgenössische Kritik des Films Metropolis verstehen ließe, gilt Georg Kaisers Revolutionsstück Gas I, das nach seiner Uraufführung 1918 zu einem der meist gespielten Stücke im deutschsprachigen Theater wurde. Fritz Langs monumentale Zukunftsvision nach dem Drehbuch von Thea von Harbou, die knapp ein Jahrzehnt später in die Kinos der Weimarer Republik kam, enthält  eine Vielzahl von Bezügen zu dem dramatischen Werk des expressionistischen Dichters. Daran erinnert Heike Klapdor aus Anlass der Präsentation der rekonstruierten Fassung von Metropolis  bei der diesjährigen Berlinale 2010.

rbb Kulturtermin: 4. Februar 2010, um 19.05 Uhr.
+ Pressemitteilung der Berlinale zu Metropolis.

DAMALS-Wettbewerb: Die besten historischen Bücher des Jahres 2008.

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Im Auftrag von DAMALS – Das Magazin für Geschichte und Kultur, zeichnete die Jury im Herbst 2008 die besten historischen Bücher des Jahres 2008 aus. Dem Briefband „Ich bin ein unheilbarer Europäer“. Briefe aus dem Exil wurde der 2. Preis in der Kategorie: Autobiographisches verliehen.

Weitere Informationen zu dieser Auszeichnung erhalten Sie auf der Homepage der Zeitschrift DAMALS: www.damals.de/sixcms/detail.php?id=186722 – sowie am Ende dieser Internetseite.

Darmstädter Jury: „Ich bin ein unheilbarer Europäer“ ist Buch des Monats Dezember 2007.
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Iris Berben liest Anna Gmeyners Roman Manja

Der von Lisette Buchholz im Jahr 1984 herausgegebene und von Heike Klapdor mit einem Vorwort versehene, ursprünglich im Exil 1938 in Amsterdam unter dem Pseudonym Anna Reiner veröffentlichte Roman Manja. Ein Roman um fünf Kinder. der Autorin Anna Gmeyner, liegt nun als Hörbuch vor. Unter der Regie von Walter Adler spricht die Schauspielerin Iris Berben die leicht gekürzte Fassung von beinahe 900 Minuten.

Das Hörbuch Manja von Anna Gmeyner ist für den Deutschen Hörbuchpreis 2008 in der Kategorie Beste Interpretin nominiert. (Eine Hörprobe wird auf der Internetseite des Deutschen Hörbuchpreises zur Verfügung gestellt.)

 

Information des Hörbuch-Verlags hörkultur:
«12 CDs, gesprochen von Iris Berben unter der Regie von Walter Adler. Der Roman erzählt vom Leben in einer deutschen Stadt in den Jahren von 1920 bis 1934 am Beispiel der Geschicke von fünf Familien, die ganz unterschiedliche gesellschaftliche Milieus repräsentieren. Im Vordergrund die Kinder, sowohl des klassenbewussten, politisch engagierten Arbeiters als auch des jüdischen Kriegs- und Inflationsgewinnlers. Daneben die des liberalen, konfessionslosen Intellektuellen Arztes, des faschistischen Kleinbürgers und schließlich des verarmten ostjüdischen Einwanderers. In expressiver Bildlichkeit führt Anna Gmeyner das kollektive Wegsehen der Deutschen vor der alltäglichen Inhumanität vor Augen und dokumentiert in eindringlicher Weise, wie die nationalsozialistische Gesellschaftspolitik auf die Auflösung des Privaten, die Eliminierung individueller Refugien, besonders auch auf den Zusammenbruch des Familienzusammenhalts zielte.»

«Der Roman ist ein document humain von äusserster Eindrücklichkeit. Wer vom Menschen her erkennen will, was 1933 bedeutet hat, darf Manja nicht auslassen.»
Hans Kühner in Jüdische Rundschau, Basel 1984.

«Es geht eine Art Magie von der Manja aus. Fast scheint es, als habe Gmeyner in der Figur der Manja die Kunst selbst personifizieren wollen – und deren Missbrauch durch das nationalsozialistische Regime. Die engagierte Produktion verweist auch auf diese Deutungsmöglichkeit. Man wünscht ihr viele Hörer.“
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 9. Februar 2008

«Dieser Roman ist – wenngleich von draußen beobachtet – ein beklemmend genaues Protokoll des rassistisch-totalitären Wahns, der die Gesellschaft immer gnadenloser in den Griff nahm, der kriechenden Anpassung, der Angst und der Arroganz, mit einem Wort: des deprimierenden Verfalls der deutschen Zivilisation, wie ihn Victor Klemperer in seinen Tagebüchern beschrieb.»
Die Tageszeitung (taz), 6. November 2007

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